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Mittwoch, 27. November 2013





 

Die Gemeindeversammlung
Ein Lehrstück in schweizerischer Demokratie


Mehrzweckhallen und Gemeindesäle werden in den nächsten Wochen wieder "bestuhlt":
Denn wie jedes Jahr in diesen Tagen, wird in den Gemeinden hierzulande wieder zu einer Gemeindeversammlung gerufen. Im Herbst sind es traditionell die Budgetversammlungen, in denen der Aufgaben- und Finanzplan „zur Kenntnis zu nehmen“ ist (das heisst: ihn zu genehmigen) und dem Budget für das nächste Jahr zuzustimmen sein wird. Ein Routinegeschäft, das meistens ziemlich unspektakulär über die Bühne geht.

Die Stadthalle ist in der Mitte mit Stellwänden unterteilt, denn von den etwa 5400 stimmberechtigten Einwohnern werden keine 300 zu dieser meistens eher langweiligen Finanzabstimmung erwartet. Schweizweit nehmen keine fünf Prozent an Gemeindeversammlungen teil. Ein Armutszeugnis!
Man ist sich hierzulande nicht bewusst, welch einmaliges, politisches Recht sich die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung entgehen lässt. Mit dem beliebten Ausspruch: „Die do obe machet jo sowieso was sie wänd“ (die da oben machen sowieso was sie wollen), rechtfertigen die Abwesenden ihr Fortbleiben.
Das nachfolgende „Protokoll“ einer solchen Gemeindeversammlung zeigt eindrücklich das Gegenteil.

Der vordere Teil der Halle ist an diesem Abend erstaunlicherweise bereits „zehn vor acht“ recht gut gefüllt und kurze Zeit später müssen die Stellwände nach hinten, und stapelweise Stühle zusätzlich in den Saal gefahren werden.
Ist es das erneute Defizit in der kommenden Rechnung einer ziemlich verschuldeten Stadt und die damit verbundene Steuererhöhung, die mehr Einwohner auf die Beine bringt?
Es könnte aber auch sein, dass eine seit längerem geführte Diskussion zur Umnutzung einer grünen Senke in eine Aushub-Deponie ihre Wirkung zeigt und die dazu notwendige Teiländerung des Zonenplanes, über die nach den Finanzen ebenfalls noch abgestimmt wird, so viele Personen anlockt.

Die Stadtpräsidentin begrüsst mit zehnminütiger Verspätung und freut sich über die grosse Beteiligung. Mit ihr sitzen weitere drei Stadträte (alle vier nebenamtlich), der Stadtammann (er ist hauptamtlich für die Umsetzung der Beschlüsse des Stadtrates verantwortlich) und der hauptberufliche Stadtschreiber auf dem Podium.
Das Traktandum eins, die Genehmigung der Traktandenliste der Einwohnergemeindeversammlung, ist mit dem Aufhalten der Hand schnell angenommen.
In einer vielseitigen Broschüre der Verwaltung, die in alle Haushalte der Stadt gelangte, konnte man sich vorgängig umfassend und sehr ausführlich über die weiteren anstehenden Abstimmungen zum Voraus bereits gut orientieren.
Beim der „zur Kenntnisnahme“ des Finanzplanes 2014 bis 2020 meldet sich ein Einwohner, Herr A, zu Wort. Er erklärt, dass er sich im Hinblick auf die geplante Steuererhöhung diese Broschüre sehr genau angesehen und sich in den letzten Tagen für einmal ziemlich intensiv mit den hohen Ausgaben der Stadt befasst habe. Er findet, dass der Stadtrat zu wenig transparent über diese Kosten informiert, dass mehr gespart werden müsse und darum der Finanzplan abzulehnen sei.
Bei der Budget-Abstimmung will er näher darauf eingehen und dann auch mehr Begründungen liefern.

Im Saal wird gemurmelt.
„Endlich einer, der zu den desolaten Finanzverhältnissen der Stadt etwas sagt“, flüstern die einen – der getraut sich etwas, denken andere – „eifach en Stürmi“, vermuten die nächsten. Das ist man sich hier nicht gewohnt, dass ein Einwohner Einspruch bei den Finanzen erhebt. Höchstens, dass sich ab und zu mal der Redner der „Neinsager-Partei“ alle paar Jahre über die zu hohen Ausgaben beschwert. Aber normalerweise heisst man das Budget einstimmig gut.
Der Finanzplan wird mit Handmehr „zur Kenntnis“ genommen und somit ist diese Traktandum auch in diesem Jahr wieder recht schnell von Tisch, trotz dieser „kleinen“ Zwischenbemerkung.
Der Aufgabenplan des Stadtrates 2014 bis 2018 und das Jahresprogramm 2014 werden diskussionslos angenommen.

Jetzt geht es um den Voranschlag, das Budget, für das nächste Jahr.
Tabellen, Statistiken, Vergleiche und Kommentare zu den verschiedenen „laufenden“ Rechnung und zum Voranschlag für das nächste Jahr werden mit weiteren Erläuterungen der zuständigen Stadträte präsentiert. Alle Abstimmungen werden ohne Diskussion fast einstimmig, mit wenig Enthaltungen, angenommen – wie jedes Jahr – es beginnt etwas langweilig zu werden und mancher freut sich bereits auf das von der Stadt offerierte Bier oder das Glas Wein, am Schluss der Versammlung.

Nun kommt man zum Budget 2014
Der Stadtrat muss angesichts des budgetierten Defizits von über einer halben Million Franken, leider eine Steuererhöhung für 2014 um einen Steuerzehntel, das sind ca. 5% des Steuersatzes, bekannt geben und er stellt zugleich eine gleichgrosse Erhöhung auch für das Jahr 2015 in Aussicht.
Der Unmut der Anwesenden äussert sich im Gemurmel und wie angekündigt meldet sich Herr A. wieder zu Wort. Doch dieses mal bleibt er nicht „allgemein“ und „unpräzise“, sondern jetzt legt seinen verbalen Zeigefinger nachdrücklich auf einige brisante Punkte im Voranschlag. Und er hat sich gut vorbereitet.
Wieder 250'000 für die EDV, wie im letzten Jahr – da kann man sparen. Bedeutend höhere Schulkosten als in den verglichenen, benachbarten Gemeinden – da muss man sparen und, eine vom Stadtrat bewilligte, unklare Abrechnung bei der Feuerwehr macht das Ganze auch nicht seriöser. Aber besonders die vom Stadtrat budgetierte Gehaltserhöhung für die gesamte Verwaltung, der höchsten im ganzen Kanton notabene, regt angesichts der desolaten Finanzen den Unmut der Stimmbürger.

Die Stadtpräsidentin fühlt sich sichtlich weniger wohl. Immer wieder hält sie Rücksprache mit ihren Stadträten, der Stadtammann macht sich eifrig Notizen und der Stadtschreiber führt routiniert das Protokoll. Mehrmals versucht sie zaghaft den Redner zu stoppen, damit sich endlich der Stadtammann rechtfertigen kann. Der Voranschlag 2014 wird aber vom Votanten so zerpflückt, wie das Gänseblümchen der Verliebten und stellt den Stadtrat nicht ins beste Licht.
Der Stadtammann kommt endlich zu seiner Rechtfertigung, kann aber nicht viel Neues hervorbringen.
Es wird über das Budget abgestimmt. Ja? Nein? Enthaltungen? – je nach Frage streckt jeder einmal eine Hand in die Höhe. Die Stimmenzähler zählen, der Gemeindeschreiber zählt zusammen und, man kommt auf eine knappe Mehrheit für die Genehmigung des Budgets.

Nun wird eine „geheime“ Abstimmung verlangt und die Diskussionen gehen weiter. Jetzt melden sich auch die Parteisprecher zu Wort und erklären, sie und ihre Partei hätten schon lange... und immer wieder ... und blablabla.
Die Anwesenden werden dann gefragt, ob über das Budget schriftlich abgestimmt werden soll. 
Ja? Nein? Enthaltungen? – zählen und nochmals zählen – die schriftliche Abstimmung ist beschlossen!
Es werden rote Stimmzettel und Schreibzeug verteilt – die Spannung steigt!

In geheimer Abstimmung wird das Budget (und somit auch die Steuererhöhung) mit einer Mehrheit von nur zehn Stimmen abgelehnt! So etwas hat es schon lange nicht mehr gegeben.
Der Stadtrat muss nun nochmals über die Bücher und wird im März, bei einer aussergewöhnlichen Gemeindeversammlung, dem Stimmvolk ein neues Budget vorlegen müssen.
Das Podium ist sichtlich geknickt und die Zeit bereits ziemlich fortgeschritten. Normalerweise wäre man um diese Stunde bereits bei Bier und Wein im vorderen Teil der Halle angelangt.

Unbeirrt schreitet man zügig zum zweiten, wichtigen Geschäft des Abends.
Bewilligung einer Deponie und die dazu notwendige Änderung des Zonenplanes.
Eine ehemalige Lehmgrube soll während fünf Jahren mit „sauberem Aushubmaterial“ vom Häuserbau aus der Gegend aufgefüllt werden. Diese vom Stadtrat ausgehandelte Bewilligung hat im Vorfeld bereits zu einigen Leserbriefen in der Lokalpresse und zu hitzigen Diskussionen auf der Strasse, am Arbeitsplatz oder am Stammtisch geführt. Viele befürchten nämlich, dass durch das Auffüllen der Senke, es bei grösseren Unwettern zu Überschwemmungen durch die beiden ansteigenden Bäche kommen könnte. Denn in den letzten Jahrzehnten hat sich die grossflächige Bodenvertiefung schon einige male als nützliches Rückhaltebecken erwiesen.

Zuerst kommt es zur Abstimmung über die Bewilligung der Deponie.
Vier Einsprachen von Anwohner oder Interessierten sind bei der Stadt bereits vorgängig eingegangen. Es muss nun einzeln darüber abgestimmt werden, ob die Einsprachen zugelassen werden sollen. Der Stadtrat ist natürlich dagegen, denn er findet das Projekt sehr gut und begründet bei jeder Einsprache seine Einwände gegen den Einspruch. Viermal wird gegen den Stadtrat entschieden und jeder Einspruch zugelassen, sollte bei der folgenden Abstimmung die Deponie vom Souverän (dem anwesenden Stimmvolk) überhaupt bewilligt werden.

Zahlreiche Bürger verlangen nun wieder das Wort. Es wird argumentiert, belegt, gefordert und gebeten – es wird dafür und dagegen gesprochen. Die Emotionen gehen ziemlich hoch. Die Stadtpräsidentin versucht zu beruhigen und der Stadtammann probiert zu erklären. Er scheint mir gerade besonders bleich.
Wieder wird eine „geheime“ Abstimmung verlangt.
Über dieses Postulat wird wieder mit Handmehr abgestimmt und die schriftliche Abstimmung wird angenommen.
Nun werden blaue Zettel ausgeteilt.
Ich mache es nun kurz:
Die Deponie wird mit dreiviertel Mehrheit abgelehnt. Somit erübrigt sich die Abstimmung über die Einzonung. Das anwesende Stimmvolk hat wieder einmal seiner Meinung kundgetan und der Stadtregierung dieses mal eine ziemliche Abfuhr erteilt. Das ist eben direkte Demokratie!

Kurz vor Mitternacht wird nach Hause gegangen oder, es kann noch, zusammen mit den etwas enttäuschen Stadträten, ein heute verkürzter Umtrunk genommen werden.

Alles ist gut, niemand ist böse – 
das ist eben schweizerische Demokratie!



;)

Mittwoch, 20. November 2013





Jean-Jacques Rousseau:

"Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und
es sich einfallen liess zu sagen: dies ist mein – 
und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, 
war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. 

Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und 
wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, 
der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und 
seinen Mitmenschen zugerufen hätte: 
"Hütet euch, auf diesen Betrüger zu hören; 
ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, 
dass die Früchte allen gehören 
und die Erde niemandem."


Das Foto wurde von der Crew Apollo 17 
auf ihrem Weg zum Mond gemacht
von Wikimedia Commons


Mein Senf dazu:
Die Erde gehört niemandem! 
Ein weises Wort und, die Geschichte der letzten 200 Jahren hat Herrn Roussèau recht gegeben.

Dasselbe Grundrecht gilt jedoch auch für Sonnenlicht, frische Luft und frisches Trinkwasser.
Während es kaum noch Land gibt, das niemandem gehört oder auf das niemand Anspruch erhebt, wäre ein ähnliche Prozess beim Trinkwasser noch vielerorts zu verhindern. 
Aber die heutigen Entwicklungen sehen meistens gerade gegensätzlich aus.
Immer mehr Wasser wird von Grosskonzernen privatisiert. 
Das ist keineswegs nur ein Problem der Entwicklungsländer, sondern auch der reichen Industriestaaten. Überall, wo finanzschwache Kommunen nach Entlastung suchen, bieten die weltgrössten Wasserkonzerne wie Veolia Water, Suez oder Thames Water Lösungen an und versorgen inzwischen weltweit, mehr oder weniger erfolgreich, viele Millionen Menschen mit Trinkwasser.
So wird zum Beispiel in Frankreich mittlerweile etwa 80 Prozent der Bevölkerung von Grosskonzernen mit Wasser versorgt. 
Die Folgen: rasant steigende Verbraucherpreise, Intransparenz und oft auch Korruption. 
Diese gefährliche Entwicklung sollte gestoppt werden!



Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)
französisch-schweizerischer Philosoph,Schriftsteller, Pädagoge und Naturforscher. 
Geboren in Genf, verstorben in Ermenonville, Frankreich




:(

Sonntag, 17. November 2013

Drama am Pingpong-Tisch





Drama am Pingpong-Tisch


Da stand er nun, der Tischtennis-Tisch – mitten auf der Terrasse von unserem Restaurant. Auch wenn an diesem kalten, feuchten Novembertag keine Gäste draussen zum „z’Mittag“ zu erwarten waren, so stand der Tisch doch mitten auf dem kürzesten Weg meiner Söhne zwischen der Schule und dem Mittagessen. Darum konnte er auf keinen Fall bis am Nachmittag dort bleiben, denn schliesslich war er als langersehntes Weihnachtsgeschenk für unsere beiden Buben vorgesehen.
Wir hatten den „Pingpong-Tisch“ in tadellosem Zustand günstig einer treuen Mitarbeiterin, deren Kinder inzwischen erwachsen waren, abkaufen können. Sie wusste, dass er uns nützlich war und sie war froh, dass ihr das Ungetüm endlich „aus dem Weg kam“. Darum hatte sie ihrem Bruder, der Fahrer bei der ortsansässigen Brauerei war, aufgetragen, den Tisch am frühen Morgen bei uns auf der gedeckten Terrasse einfach abzuladen.

„Komm jetzt endlich“, forderte mich SO bereits zum wiederholten Male auf, „es ist bereits nach elf Uhr und die beiden kommen nächstens von der Schule nach Hause!“
Genau, es war bereits nach Elf und ich hatte überhaupt keine Zeit. Das Essen musste noch fertig zubereitet werden, denn in Kürze kamen bereits die ersten Mittagsgäste. In allen Töpfen auf dem grossen Küchenherd brutzelte und dämpfte es, es musste gerührt und gewendet werden und nun sollte ich noch helfen, diesen blöden Tisch in den Keller zu tragen.
Nach einem kurzen Kontrollblick über mein Küchenreich hetzte ich trotzdem ziemlich entnervt auf die Gartenterrasse. 

Eben, da stand er nun – wie ein grosser Schmetterling in Ruhestellung. Die Tischplatte bestand aus drei gleich grossen Teilen. An der Mittleren war das Gestell befestigt und die beiden Äusseren waren senkrecht stehend aufgeklappt. Sehr schwer war er nicht, aber ziemlich umständlich zum Tragen. Aber es musste nun zu zweit gehen, denn Zeit zum Überlegen hatten wir keine mehr. Also wurde angepackt! Einer auf jeder Seite, beide an beiden Enden der mittleren Tischplatte. Ich ging voraus, die vier steilen Treppenstufen hinunter zum "eingewinterten“ Kinderspielplatz und dann an dessen Ende in einen der vielen Keller im Haus – in den Hintersten, den ehemaligen Holz- und Kohlenkeller. Er hatte kein Licht, war fensterlos und vom Kohlenstaub gruselig schwarz gefärbt – da ging nie ein Kind hinein, er wurde nur noch für die Gartengeräte und den Altkarton gebraucht.

So war es vorgesehen, aber soweit kamen wir nicht!
Bereits mitten auf der Treppe kippte die linke, aufgeklappte Tischplatten nach aussen – wir hatten beide die Finger dazwischen! Ein kurzer Aufschrei von SU, tiefes Ein- und Ausatmen von mir. Es tat schrecklich weh! Ich glaubte, alle Finger gebrochen zu haben.
Wir versuchten den Tisch abzustellen, damit wir mit der rechten Hand diese Tischseite wieder anheben könnten. Es kam wie es kommen musste – auch die rechte Tischplatte fiel um.
Wir schrien beide! Mir kam das Augenwasser und ich sah trotz bedecktem Himmel Sterne – Sterne in allen Farben!

So standen wir nun – auf der Treppe.  SU oben, ich unten und der Tisch zwischen uns – heruntergeklappt – man hätte gleich darauf spielen können.
Wir konnten uns nicht bewegen, weil jede Bewegung noch weitere farbige Sterne im imaginären Himmel aufblitzen liess. Alle vier Hände, respektive, mindestens 18 Finger waren zwischen den schweren Tischplatten eingeklemmt. Nur bei der rechten Hand spürte ich beim Ring- und dem kleinen Finger noch ein bisschen Bewegungsfreiheit – der Ehering hatte mehr Druck verhindert.

„Verdammte Scheisse! Was machen wir jetzt?“
„Ich habe alle Finger gebrochen!“ jammerte Su, kreideweiss im Gesicht und mit klappernden Zähnen.
Sollten wir schreien bis uns jemand hörte oder so noch eine halbe Stunde warten, bis einer der Buben von der Schule kam? Inzwischen hatte es auch leicht zu nieseln begonnen, aber das wurde uns erst später bewusst.
Ich versuchte mit dem Knie die rechte Tischplatte anzuheben, aber sie war zu schwer. Und doch, irgendwie konnte ich die rechte Hand herausreissen; für einmal hatte sich der Ehering als nützlich erwiesen.

Nun waren schnell alle Hände frei und der Schaden konnte begutachtet werden. Alle Finger hatte eine unnatürliche, weisse Farbe angenommen, tiefe Druckstellen waren zu sehen und überall floss Blut.
Man versuchte die Finger zu bewegen, jeden einzeln. Es gelang glücklicherweise ein bisschen.
Vielleicht war doch nichts gebrochen.

Wir gingen zurück ins Lokal, den Tisch liessen wir auf der Treppe im Regen stehen. Wir immer in „heiklen“ Situationen, wurde nun zuerst die Kaffeemaschine in Gang gesetzt. Das Koffein wirkte, der Schock liess nach, das Gehirn begann wieder zu arbeiten.
Eines stand fest, wir mussten beide zum Doktor, das war klar.
Halb zwölf! Die ersten Gäste würden gleich kommen, aber mit diesen schmerzenden und blutenden Händen war an eine Arbeit nicht zu denken und um Aushilfen zu organisieren war es wohl zu spät. Zum Glück gab es an diesem Montagmittag keine Reservationen und somit wurden auch nicht viele Mittagsgäste erwartet. Solche „flauen“ Mittage bewältigten SU und ich jeweils alleine.
Also schrieb ich auf eine grosse Tafel:
"Wegen Unfall geschlossen! Danke für das Verständnis“ –
und stellte sie vor die Eingangstüre, bevor ich den Schlüssel drehte.

Gebrochen war dann nichts, zum Glück. Aber die Arztpraxis musste für uns über den Mittag durcharbeiten, denn alles wurde geröntgt, einiges musste genäht werden und fast alle Finger wurden eingebunden – Nachmittags um zwei waren wir endlich verarztet.

Kaum waren wir Zuhause, schellte auch schon das Telefon. Elisabeth, unserer langjährigen Service-Aushilfen war am anderen Ende. Sie schien ziemlich aufgeregt zu sein.
„Was ist denn auch bei Euch bloss los?“ fragte sie ganz gesorgt. Sie versuche uns schon seit einer Stunde uns zu erreichen. Denn sie sei von besorgten Gästen angerufen worden, die meinten, bei uns im Lokal müsse etwas ganz Schreckliches passiert sein, denn es stehe eine Tafel vor der Eingangstüre, an der das Blut nur so herunterlaufe. Ich hatte das beim Schreiben schlicht nicht bemerkt.
Das Missgeschick mit ihrem Pingpong-Tisch war dann schnell erzählt, das Geheimnis um das Weihnachtsgeschenk für die Kinder war auch gelüftet und ich hatte nie mehr so richtig Freude an diesem blöden Ding, das manchmal so da stand, wie ein federleichter, grüner Schmetterling beim Ausruhen.


©® Copyright by Herr Oter




Autor: Frank Hollenbach - by pixelio.de - Bildnr. 401461


;)

Freitag, 15. November 2013

Irrtümer und Mythen – Die Ernährung







Irrtümer und Mythen
In der Ernährung



Die aufgetischten Mythen und Mären rund ums Essen und Kochen halten sich hartnäckig – obwohl viele offensichtlich falsch sind.

Dazu kommt, dass das, was vor wenigen Jahren noch als richtig galt, ja sogar propagiert wurde, heute zum Teil wieder komplett widerlegt ist. Somit lohnt es sich, die eigenen Rituale und Gewohnheiten von Zeit zu Zeit wieder einmal zu überdenken. Auch dafür ist diese nachfolgende Aufstellung gedacht.

Ich möchte jedoch explizit darauf hinweisen, dass die aufgeführten Ernährungs-Irrtümer nur zum Teil „wissenschaftlich“ belegt sind. Darum sind die Behauptungen mit Vorsicht und Menschenverstand zu geniessen, denn jeder schreibt halt gerne, was ihm, seiner Absicht oder Überzeugung oder seinem Produkt nützt. Ich habe die ausgewählt, die mir am glaubwürdigsten erscheinen.

Und nun viel Vergnügen!






Blattsalat ist besonders reich 
an Vitaminen und Ballaststoffen.

Das stimmt nicht! Der beliebte Kopfsalat ist eine echte Niete, denn ein Kopfsalat besteht zu über 95 % aus Wasser und hat 
kaum Nährwert – wenige Ballaststoffe, wenig Kalium, wenig Magnesium und kaum Vitamine. Die Vitamine muss man sich mit verschiedenem, rohem Gemüse in die Salatschüssel holen. Dafür hat Blattsalat aber auch keine Kalorien und ist darum ein hervorragender „Magenfüller“ und somit doch „sehr gesund“.



Angemachter Salat wird schnell schlecht.

Das stimmt so nicht. Der Salat wird eigentlich nicht schlecht, er wird nur weich. Osmose zieht das Wasser aus dem Blättern. Fehlender Innendruck macht die Blätter weich. Essen kann man den Salat nach wie vor, wobei er einem vermutlich nicht mehr so richtig schmeckt. Angemachte Salate sollten immer im Kühlschrank und nur für kurze Zeit aufbewahrt werden.


Autor: Rasbak from nl - Lizenz: GNU – via Wikimedia Commons


Rohkost ist in jedem Falle gesund.

Das stimmt nicht. Im Gegenteil Rohkost ist zum Teil schwer verdaulich. Daher kann es bei übermässigem Verzehr zu Blähungen und Verdauungsstörungen kommen. Spinat, Broccoli und Lauch sind gekocht leichter verdaulich. Auch die Inhaltsstoffe bestimmter Nahrungsmittel werden vom Körper besser verwertet, wenn sie gekocht sind.



Gekochtes Gemüse enthält keine Vitamine.

Das stimmt nicht! Der Verlust an Vitaminen und Mineralstoffen kann minimiert werden, wenn das Gemüse mit sehr wenig Wasser gedämpft wird. Einige wichtige Inhaltsstoffe wie Ballaststoffe, das Lycopin der Tomate und weitere Antioxidantien bleiben beim Kochen erhalten und können teilweise sogar noch besser für den Körper verfügbar werden.



Gefrorenes Gemüse enthält weniger Vitamine als „Frisches“.

Das stimmt meistens nicht. Ausser das „frische“ Gemüse kommt direkt aus dem Garten. Aber vom Supermarkt ist das Gemüse oft einige Tage alt und kann darum über 50 Prozent weniger Vitamine haben. Gefrorenes Gemüse hingegen wird meistens innert 24 Stunden schonend verarbeitet, schockgefroren und in licht- und luftdichte Verpackungen gesteckt. Dieses Gemüse sollte noch im tiefgefrorenen Zustand gegart und nicht zu lange gekocht werden.



Spinat enthält viel Eisen.

Das stimmt ganz bestimmt nicht! Die Annahme, dass Spinat viel Eisen enthält, ist durch einen Rechenfehler entstanden. Urheber der Angaben war der Schweizer Physiologe Gustav von Bunge, der Ende des 19. Jahrhunderts den Eisengehalt berechnet hatte. Seine Werte waren noch richtig.

Später hat jedoch jemand übersehen, dass die Angaben sich auf getrockneten Spinat bezogen, nicht auf frischen. Da Spinat zu 90 Prozent aus Wasser besteht, steckten nicht beeindruckende 35 Milligramm, sondern im Schnitt nur 3,5 Milligramm Eisen in 100 Gramm frischem Spinat. Selbst Schokolade und Hülsenfrüchte haben etwa doppelt so viel. Sehr viel Eisen enthält die Schweinsleber (22 mg)



Karotten schärfen die Augen.

Das stimmt leider auch nicht. Einzige kleine Ausnahme: Das Vitamin A aus den Karotten wird zum Aufbau des Sehpurpurs in der Retina (Netzhaut) benötigt. Denn das Dämmerungssehen wird bei Vitamin-A-Mangel beeinträchtigt, der kommt bei uns aber höchst selten vor. Die normale Nahrung enthält genügend Vitamin A (Eier, Butter, Milch, Käse und Seefisch) und schützt uns sicher vor der Nachtblindheit.

Dass man keine Hasen mit einer Brille sieht, muss also andere Ursachen haben.



Peperoni sind gut für die Verdauung.

Das stimmt nicht und ist nicht zu empfehlen. Denn alle scharfen Speisen reizen die Magen- und Darmschleimhaut und können auf Dauer zu Magen- und Darmbeschwerden führen.



Vitamine – je mehr, desto besser.

Das stimmt nicht! Vitamine kann man nicht unbegrenzt essen. Eine Überdosierung von Vitaminen kann sogar Gesundheitsschäden zur Folge haben. Aufpassen sollte man vor allem bei Beta-Karotin und den fettlöslichen Vitaminen A, D, E, und K.



Vitamin C schützt vor Erkältungen!

Das stimmt nicht! Getreu dem Motto „Viel hilft viel“ versuchen wir, eine herannahende Erkältung mit jeder Menge Vitamin C zu unterdrücken. Trotz dieser allgemein verbreiteten Meinung, gibt es für eine solche Behauptung bisher keine Bestätigung. Vielmehr wird das Überschüsse Vitamin C unverbraucht wieder ausgeschüttet. Trotzdem sollte auf eine dauerhaft gute Versorgung mit Vitamin C zur Stärkung des Immunsystems durch eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse geachtet werden..

Eine dauerhafte Überdosierung von Vitamin C durch Präparate kann jedoch zu krankhaften Erscheinungen führen.



Sportler brauchen Vitaminpräparate.

Das stimmt nicht! In gut kontrollierten Studien konnte durch eine bedarfsüberschreitende Vitaminzufuhr nie ein messbarer Erfolg erzielt werde. Eine zusätzliche Vitaminaufnahme von Sportlern führt in erster Linie dazu, dass die Abwässer aus Sportanlagen mit Vitaminen besonders belastet sind.



Kiwis sind die grössten „Vitamin-C-Bomben“.

Stimmt nicht. Erdbeeren, Orangen u. viele andere exotische Früchte enthalten ähnlich viel Vitamin C.



Kiwis kommen ursprünglich aus Neuseeland.

Auch das stimmt nicht – auch wenn die meisten der heute weltweit konsumierten Kiwis aus Neuseeland kommen.

Die ersten den Europäern bekannten Kiwifrüchte wurden Mitte des 19. Jahrhunderts am Jangtse in China gefunden. Erst im Jahr 1906 kamen die ersten Kiwi-Pflanzen nach Neuseeland und wurden dann dort angebaut.



Ein Apfel pro Tag deckt den notwendigen Vitaminbedarf.

Das stimmt nicht! Der tägliche Vitaminbedarf eines Menschen übersteigt den Vitamingehalt eines Apfels bei weitem. Täglich fünf Portionen Obst oder Gemüse sollten es sein!


Autor: Abhijit Tembhekar from Mumbai, India - Lizenz: CC-BY-2.0 - via Wikimedia Commons.


Bananen machen glücklich.

Das stimmt so nicht. Oder höchstens auf langen "Umwegen". Bananen enthalten zwar relativ viel Tryptophan, einem Vorläuferstoff des Botenstoffs Serotonin. Serotonin, das ähnlich wie Endorphin wirkt, gilt als durch die Ernährung zu beeinflussender "Glücksbringer”. Er fördert die Tiefschlafphase, senkt die Schmerzempfindlichkeit und steigert die Geselligkeit oder vermittelt Zufriedenheit. Damit der Körper ausreichend Serotonin bilden kann, muss er jedoch besonders viel Tryptophan aufnehmen.



Erdnüsse sind Nüsse.

Das stimmt nicht! Erdnüsse sind, im botanischen Sinne, Bohnen. Sie gehören zu den Hülsenfrüchten wie die Erbsen und Linsen, die ihre Samen durch eine elastisch-ledrige Hülse schützen. Die Hülsenfrüchte wachsen im Erdreich, deshalb der Name „Erdnuss“. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hülsenfrüchten sind Erdnüsse allerdings roh geniessbar.



Probiotische Joghurts sind gesünder als normale Joghurts.

Das stimmt nicht! Dass sie vielleicht die Darmflora etwas mehr unterstützen – vor allem wenn täglich immer der gleiche Joghurt mit den gleichen Bakterienstämmen gegessen wird – dazu fehlen entscheidende wissenschaftliche Studien. Insbesondere die Menge der in dem Joghurt enthaltenen lebenden Bakterienkulturen, die zum Teil von der Magensäure abgetötet wird, scheint nach derzeitigem Stand der Wissenschaft völlig unzureichend für irgendeine Wirkung.

Probiotische Joghurts, bauen den Darm nach einer Antibiotikatherapie schneller auf und verbessern das Immunsystem des Darms, aber sie schützen keinesfalls vor Erkältungen. Normaler Joghurt (ungesüsst) ist genauso gesund und viel preiswerter. 
 


Eine warme Mahlzeit am Tag muss sein.

Das stimmt nicht! Es spielt keine Rolle, ob man das Essen kalt oder warm zu sich nimmt, solange der Körper die richtigen Nährstoffe bekommt. Jedoch ist eine ausgewogene Ernährung ohne warme Mahlzeit nicht möglich. Denn viele Lebensmittel dürfen nur gekocht gegessen werden - etwa Kartoffeln, Linsen und Bohnen. Doch das hat nicht täglich zu geschehen. Bei Fleisch kommt noch dazu, dass beim Erhitzen Keime abgetötet werden.



Trennkost ist leichter verdaulich als Mischkost.

Das stimmt nicht. Die Annahme, der Mensch könne Kohlenhydrate, Fette und Eiweisse gleichzeitig schlechter verdauen, wurde bisher nicht wissenschaftlich bewiesen. Auch für eine Gewichtsabnahme gibt es keine wissenschaftlichen Ergebnisse, wobei das veränderte Essverhalten durchaus einen positiven Effekt auf das Gewicht haben kann.



Frisches Brot ist ungesund.

Das stimmt natürlich nicht. Das einzige, was passieren kann, wenn man frisches Brot isst, sind Blähungen und möglicherweise bei manchen Menschen Magen- oder Sodbrennen.

Die Behauptung, dass frisches Brot ungesund ist, stammt vermutlich aus einer Zeit, als Brot so elementar wichtig war, dass man, damit nichts verschwendete, immer zuerst das „alte“ Brot aufessen musste, bevor der frische Laib angeschnitten wurde.



Dunkles Brot 
ist gesund.

Das stimmt nicht immer! Nicht die Farbe ist entscheidend, sondern der Vollkornanteil, denn Vollkornbrot enthält mehr Vitamine und Mineralstoffe als reines Weizenbrot. Aber Achtung, nicht jedes dunkle Brot ist auch immer ein Vollkornbrot! Deklaration beachten!


Autor: Adrian Michael - Lizenz: GNU  - via Wikimedia Commons


Vollmilch enthält mehr Protein und Calcium als entrahmte Milch.

Das stimmt nicht! Der Gehalt an Eiweiss und Calcium ist nicht abhängig vom Fettgehalt! Ein Blick auf die Nährstofftabelle zeigt das deutlich.



Margarine ist gesünder als Butter.

Das stimmt auch nicht! Der Energiegehalt ist bei beiden annähernd gleich. Während Butter mehr gesättigte Fettsäuren enthält, kann Margarine auch trans-Fettsäuren enthalten. Viele Margarinen haben einen hohen Gehalt an Linolsäure, während der Gehalt an der günstigeren Linolensäure relativ niedrig ist. Mit Butter als auch mit Margarine sollte man sparsam daher umgehen.



Kinderlebensmittel wie Milchschnitte ist gesund.

Das stimmt überhaupt nicht. Diese so genannten spezielle Milch-Mischprodukte sind in der Regel nichts anders als relativ teure Süssigkeiten, die mit 60 Prozent einen höheren Zucker- und Fettanteil haben als eine Rahm- (Sahne-) Torte. Ein besonderer gesundheitlicher Nutzen oder Wert (wie z.B. einen hohen Milchanteil) ist nicht erkennbar.



Weisse Schokolade enthält mehr Milch als dunkle.

Das stimmt nicht! Die Farbe der Schokolade hat nichts mit dem Milchanteil zu tun. Weisse Schokolade enthält zartgelbe Kakaobutter statt braunem Kakaopulver.



Schokolade und fettreiche Nahrung verursachen Pickel und Akne.

Das stimmt nicht! Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) ist kein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Verzehr einzelner Lebensmittel – wie Schweinefleisch, Wurst, Vollmilch, fetter Käse, Nüsse, Süssigkeiten, Schokolade, Gebäck, Torten, Seefisch und Schalentiere, jodiertes Speisesalz, scharfe Gewürze, Kaffee und Alkohol – und der Entstehung von Akne fest-gestellt worden. Die Akne ist weder Symptom einer Allergie noch Symptom einer Nahrungsmittel-Intoleranz. Bei Akne steht die ärztliche Behandlung und nicht die Ernährung im Vordergrund.



Honig ist gesünder als Zucker.

Das stimmt leider auch nicht. Zwar enthält Honig mehr Vitamine und Mineralstoffe als Haushaltszucker, die zusätzlichen Mengen sind aber sehr gering und deshalb zu vernachlässigen. Auch die im Honig enthaltenen viel gepriesenen Enzyme verlieren durch die Salzsäureeinwirkung und die eiweissspaltenden Enzyme im Magen leider ihre Wirksamkeit. Auch der Kaloriengehalt ist gleich gross.

Darum: Auch mit Honig sollte man sparsam umgehen und Säuglinge dürfen keinen Honig bekommen (Botulismus - Vergiftung mit Tod durch Ersticken oder Herzstillstand).



Honig im heissen Tee bei Halsschmerzen oder in der heissen Milch schmeckt zwar gut, nützt aber überhaupt nichts. Denn Hitze zerstört die antibakteriellen Stoffe des Honigs.

Darum rät der Fachmann: Den Kräutertee aufgiessen, abkühlen lassen und den Honig erst einrühren, wenn der Tee „trinkwarm" ist. Nur bis 40 Grad bleibt die antibakterielle Wirkung erhalten.



Traubenzucker stammt aus der Weintraube.

Das stimmt nicht - mehr! Heute wird der Einfachzucker, Fachleute nennen ihn Glucose (oder Glukose), nicht mehr aus den Trauben, sondern vielmehr aus Kartoffeln, Mais oder Weizen mit Hilfe von Enzymen gewonnen. Auf ähnliche Weise wird auch der Malzzucker oder, man glaubt es kaum, der Fruchtzucker „gewonnen“.



Fruchtzucker ist gesünder als normaler Zucker.

Das stimmt leider nicht! Weil Obst eben gesund ist, muss logischerweise auch der Zucker im Obst gesund sein, meint man. Ein grosser Irrtum! Egal, ob er aus der Fabrik oder aus der Frucht kommt. Zucker bleibt Zucker.



Brauner Zucker ist gesünder als weisser Zucker.

Auch das stimmt nicht! Kandisfarin oder Roh-Rohrzucker enthält zwar etwas mehr Mineralstoffe, vor allem Kalium, Aminosäuren und Vitamine der B-Gruppe als weisser Raffinadezucker (Haushaltszucker). Diese Mengen sind jedoch so gering, dass sie nicht wesentlich zur Nährstoffversorgung beitragen können. Brauner Rohzucker ist weder zahnfreundlicher, noch gesünder, noch besser für die Figur.



Fleisch muss heiss angebraten werden, damit sich die Poren schliessen.

Das stimmt auch nicht! Fleisch hat gar keine Poren, die sich schliessen könnten, damit Fleisch saftiger bleibt. Tests haben gezeigt, dass bei niedrigen Brattemperaturen nicht mehr Saft austritt. Es können jedoch beim Anbraten mit hoher Temperatur Röststoffe entstehen, die dem Fleisch mehr Geschmack verleiht.



Grillen gefährdet die Gesundheit.

Das stimmt so nicht! Man kann auch gesund grillen. Man sollte aber darauf achten, dass das Fett nicht auf die Glut tropft, denn durch die Verbrennung können krebserregende Benzpyrene gebildet werden. Auch mariniertes Fleisch sollte vorher gut abgetupft werden. Gepökelte Fleisch- und Wurstwaren gehören nicht auf den Grill! Hier können krebserregende Nitrosamine entstehen.



Schweinefleisch ist extrem fettreich.

Das stimmt nicht mehr! Fütterung und Zucht haben stark geändert, darum ist der Fettanteil beim Schweinefleisch heute deutlich geringer. Schnitzel und Geschnetzeltes haben mit rund 5 % Fettanteil nur noch das Doppelte einer Pouletbrust. Koteletts haben ca. 10 % Fettgehalt.



Aufgetautes Fleisch darf nicht wieder eingefroren werden.

Das stimmt nicht immer! Zumindest nicht aus gesundheitlicher Sicht. Im Kühlschrank aufgetautes Fleisch erneut einzufrieren ist völlig unbedenklich. Denn Fleisch, Fisch und Geflügel dürfen niemals bei Zimmertemperatur aufgetaut werden, weil sich dabei Mikroorganismen bilden oder vermehren können.

Jedoch verliert das Fleisch bei jedem Auftauen Saft und kann dann beim Zubereiten etwas trocken werden.



Currywurst schützt vor Alzheimer.

Das stimmt überhaupt nicht! Die Studie eines italienisch-amerikanischen Forscherteams, dass der im Curry enthaltene Farbstoff Curcumin möglicherweise Mäuse vor Alzheimer schützen soll, wurde weder an menschlichen Nervenzellen noch im kontrollierten Langzeitversuch am Menschen durchgeführt. Der hohe Fett- und Energiegehalt der Currywurst, der eine Überernährung begünstigen dürfte, würde somit vermutlich mehr schaden.



Frische Eier schmecken am besten.

Das stimmt nicht! Fachleuten versichern, dass ein Ei zehn Tage braucht, um sein volles Aroma zu entwickeln. Auch verschiedene Testessen haben gezeigt, dass 14 Tage alte, hartgekochte Eier besser schmecken als drei-, aber auch besser als 21 Tage alte Eier.



Braune Eier sind besser als weisse.

Das stimmt überhaupt nicht! Wenn Hennen das gleiche Futter in gleichen Mengen bekommen, ist der Nährstoffgehalt genau gleich. Die Eierschalenfarbe ist abhängig von der Rasse des Huhnes, also rein genetisch bedingt, so wie bei uns die Haut- oder Haarfarbe. Den marktstrategischen Effekt, dass Verbraucher braune Eier mit Bio-Qualität, gut und gesund gleichsetzen, weisse jedoch mit Käfighaltung und eher als schlecht beurteilen, das haben sich die Bio-Eier-Produzenten geschickt zunutze gemacht.


Autor: Kacper "Kangel" Aniołek - Lizenz: GNU via Wikimedia Commons


Der Ei-Dotter: je gelber, desto besser.

Das stimmt nicht! Über die Qualität eines Eis verrät die Dotterfarbe absolut nichts. Denn die Farbe hängt ausschliesslich vom Futter ab. Je mehr Mais und Gras, desto gelber die Eidotter. Entgegen der allgemeinen Annahme haben Hühner aus Käfighaltung durch die Zugabe von synthetischen Carotinoide (Carotin), oft die beliebtere kräftige Dotterfarbe.



Man sollte nicht mehr als drei Eier pro Woche essen.

Die meisten Gesundheitsbehörden und Beratungseinrichtungen für Herzkrankheiten empfehlen mittlerweile keine Beschränkung mehr, solange die Eier Teil einer insgesamt ausgewogenen und gesunden Ernährung sind, die nur wenig gesättigte Fettsäuren enthält und, Eier sind arm an gesättigtem Fett.

Das an Cholesterin reiche Eidotter (etwa 225 mg in einem mittelgrossen Ei) beeinflusst den Blutspiegel im Allgemeinen nur unerheblich.



Gewaschene Pilze haben weniger Aroma.

Das stimmt nicht. Das Pilzaroma ist gar nicht wasserlöslich. Pilze saugen sich auch nicht mit Wasser voll, sie sind keine Schwämme. Vielmehr bestehen sie selbst zu 97 Prozent aus Wasser - und mehr als drei Prozent ihres Eigengewichts können sie nicht zusätzlich Wasser aufnehmen.



Aufgewärmte Pilz- oder Spinatgerichte sind giftig.

Stimmt auch nicht! Auch diese Gerichte kann man wieder „aufwärmen“, wenn die Reste rasch abgekühlt wurden – zum Beispiel im Eiswasser oder „dünn und weit“ ausgelegt – und danach zugedeckt im Kühlschrank 
aufbewahrt werden. Anderntags müssen sie dann „erwärmt“, gut erhitzt (auf über 70 Grad) werden.

Nur kleine Kinder sollten keinen aufgewärmten Spinat essen. Ihre Enzymsysteme sind noch nicht vollständig entwickelt, und ihr Hämoglobin bindet Nitrit stärker 
als das von Erwachsenen. Das kann den Sauerstofftransport im Blut beeinträchtigen.



Muscheln: nur in Monaten mit «r».

Das stimmt nicht – mehr! Früher, ohne modernen Kühlmethoden wurde das empfohlen. Heute sind die Schalentiere, sofern ordnungsgemäss gekühlt und gelagert, auch in der warmen Jahreszeit, zwischen Mai und August geniessbar.

Nur wenn sich im Hochsommer im Meer, mitunter für kurze Zeit, giftige Algen entwickeln können, müsste der Vertrieb vorübergehend unterbrochen werden. Aber auf diese Gifte werden alle Muscheln heutzutage untersucht, das ist gesetzlich vorgeschrieben.



Fisch muss schwimmen.

Das stimmt nicht, vor allem wenn damit „im Alkohol" gemeint ist. Denn Fisch ist äusserst gut verdaulich. Aus ernährungsphysiologischer Sicht gibt es absolut keinen Grund für einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf im Zusammenhang mit fischreicher Kost. 
 


Auf Steinobst kein Wasser 
trinken.

Stimmt nicht! Es konnte keinen Zusammenhang zwischen Bauchschmerzen, Wasser und Steinobst nachgewiesen werden.



Kräutertee ist gesünder als Kaffee.

Das stimmt so nicht, da man diese beiden Getränke schlecht miteinander vergleichen kann. Trotzdem sollten nicht mehr als 3 bis 4 Tassen Kaffee am Tag getrunken werden. Der Rest darf dann aber gerne ungezuckerter Kräuter-„Tee“ sein.



Jeder Aufguss ist auch ein Tee.

Das stimmt nicht! Aber Tee ist ein Aufgussgetränk. Denn als Tee bezeichnet man nur ein Getränk, das mit einem Bestandteil der Teepflanze (grüne oder fermentierte (schwarze) Teeblätter, Teeblüten etc.) aufgegossen wurde. Alle anderen heissen Aufgüsse (Kräuter, Beeren, Früchte, Gewürz usw.) sind eben einfach Aufgüsse, die aber trotzdem gut schmecken.



Kaffee entzieht dem Körper Wasser.

Stimmt nicht! Ob Wasser oder Kaffee macht kaum Unterschied. Trinkt man reines Wasser, scheidet man 81 Prozent davon über den Urin wieder aus; bei Kaffee sind es 
84 Prozent. Doch für Personen die zu wenig trinken, ist es sinnvoll, zum Kaffee auch ein Glas Wasser zu trinken.



Wasser trinken – je mehr, 
desto besser.

Viel trinken soll gesund sein, schlank machen und zudem die Haut straffen.

Stimmt nicht! Wissenschaftlich ist nichts davon erwiesen. Gesunden Erwachsenen reichen 1,5 - 2 Liter aus, um den täglichen 
Bedarf des Körpers zu decken. Nur bei Ausdauersport oder starker Hitze sind bis zu drei Liter Wasser nötig. Übermässiges Trinken kann einen starken Salzmangel verursachen, was beim Sport schlimmstenfalls zu einem Hirnödem führen kann.



Ein Glas Rotwein am Tag verlängert das Leben.

Das stimmt nicht. Der Mythos vom langen und gesunden Leben speziell durch Rotweinkonsum ist wissenschaftlich nicht erwiesen.

Zwar kann bei niederen Lebewesen wie Hefen und Fadenwürmern eine lebensverlängernde Wirkung von Resveratrol, dem entscheidenden Stoff in den Weintrauben eindeutig nachgewiesen werden. Doch schon bei Fruchtfliegen, Zahnkärpflingen und Mäusen sind die Forschungsergebnisse sehr unterschiedlich.

Als Radikalfänger funktioniert jedoch genauso gut Traubensaft, Weintrauben oder anderes Obst – und hier sind die gesunden Antioxidantien sogar in höherer Konzentration enthalten als im Wein. Und gesünder ist es eben auch, denn bereits ab mehr als ¼ Liter Wein im Tag wird die Leber und das Gehirn durch den Alkohol deutlich ungünstig belastet.



Guter Wein braucht einen Korkverschluss zum „Atmen“.

Das stimmt nicht: Im Gegenteil: Wein darf keine Luft „von ausserhalb“ bekommen! Darum wird der Wein liegend gelagert und schon immer wurden deshalb die hochwertigsten Weine absolut luftdicht mit Siegellack überzogen.



Sekt bleibt mit Löffel länger frisch.

Die Mär vom Löffel im Flaschenhals ist eine Schnapsidee! Versuche haben ergeben, dass die Löffelgeschichte ein Mythos ist. Daher raten alle Experten zu einem dichten Sektflaschenverschluss. Ausserdem sollte man den Schaumwein gleich nach dem Öffnen kühlstellen, weil das Kohlendioxid bei Zimmertemperatur sehr schnell entweicht. Damit der Sekt frisch bleibt… einfach den Korken nie rausziehen – oder sonst, so schnell wie möglich trinken!


Autor: Kris Bradley - Lizenz: CC-BY-2.0 via Wikimedia Commons


Bier auf Wein - das lasse sein.

Das stimmt nicht! Wichtiger sind die Reinheit des getrunkenen Alkohols, die Alkoholmenge, die allgemeine Verfassung, das Geschlecht und das Gewicht. Alkopops, zu stark geschwefelter Wein, billige Brände bzw. Schnäpse, Fruchtliköre und sowie einige Biere enthalten oft besonders hohe Mengen an Fuselalkoholen, die zu leichten Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit führen.

Alkohol entzieht dem Körper ausserdem Wasser. Darum sollten man nach jedem zweiten Glas „Alkohol“, ein Glas Wasser trinken.



Bei Durchfall helfen Cola und Salzstangen.

Das stimmt nicht! Um den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust (z.B. Salze wie Kalium) auszugleichen, braucht der Körper die richtige Mischung von Salzen und Zucker. Cola besteht zu elf Prozent aus Zucker, diese Menge verstärkt den Wasserverlust noch. Kalium ist kaum enthalten, und das Koffein in der Cola animiert die Nieren zu weiterer Kaliumausscheidung. Salzstangen sind in Ordnung, aber sie liefern vor allem Natrium und kein Kalium. Besser wären reife Bananen.





Schnaps hilft beim Verdauen und lindert das Völlegefühl.

Das stimmt nicht! Forscher des Zürcher Universitätsspitals haben herausgefunden, dass der Alkohol bloss die Magenmuskulatur lockert, wodurch wir uns etwas weniger voll fühlen.

Alkohol ist für die Verdauung sogar kontraproduktiv. 
Denn je mehr davon während des Essens und 
danach getrunken wird, desto langsamer 
läuft die Verdauung ab.



Schnaps wärmt bei Kälte.

Das stimmt nicht! Zwar erzeugt der Alkohol anfänglich tatsächlich ein angenehmes Wärmegefühl, weil er die Blutgefässe erweitert, so dass mehr warmes Blut hindurch fliessen kann. Danach dreht der Effekt aber ins Gegenteil: Die besser durchblutete Haut gibt bedeutend mehr Wärme abgegeben. Dadurch friert der Körper immer stärker, ohne dass das dem Betroffenen bewusst wird.



Milch macht müde Männer munter.

Das stimmt leider nicht! Schön wär’s, aber Milch hat leider keinen anregenden Effekt. Das ist ein reiner Werbe-Spruch.




Schwangere müssen für zwei essen.

Das stimmt auch nicht! Eine Zunahme von 10-12 kg gilt als normal. Eine zu starke Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen jedoch ganz erheblich.

Der Mehrbedarf an Energie beträgt oft weniger als zehn Prozent – im Schnitt also bei etwa 250 Kalorien am Tag. Das lässt sich mit nur einem Glas Orangensaft, einer Scheibe Vollkornbrot mit magerem Käse oder mit einem halben Liter fettarmer Milch abdecken. Wichtig ist allerdings, dass ausreichend, lebenswichtige Mineralstoffe und Vitamine mit der Nahrung aufgenommen werden. Der Bedarf an Folsäure und Eisen kann also getrost auf das doppelte erhöht sein.



Zerkratzte Teflonpfannen sind krebserregend.

Das stimmt nicht! Denn erst bei Temperaturen über 300 Grad können gesundheitsschädigende Dämpfe freisetzt werden. Diese Temperatur kann man beim Braten auf einem Elektroherd nicht erreichen.

Auch abgekratzte Teflonstückchen werden unverdaut wieder ausgeschieden. 





“Die Menschen 
glauben viel leichter eine Lüge, 
die sie schon hundertmal gehört haben, 
als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.“
geb. 17. Oktober 1873 in Wien - gest. 24. April 1955 in Zürich
 war ein österreichischer Schriftsteller, Aphoristiker, Kritiker und Übersetzer.




;)


 

Samstag, 9. November 2013

Was ist menschliche Arbeit überhaupt noch wert?




Was ist menschliche Arbeit überhaupt noch wert?



Am gleichen Tag habe ich drei Produkte zu fast demselben Preis gekauft: 


Polsterung:
Material: Schaumstoff 
Grösse 40 x 40 x 3 cm 
Gewicht ca 100 gr 
Preis im Jumbo Fr. 5.—



TV-Tisch: 
Material: Hartfaser Spanplatte, Laminatbezug 
Grösse: 90 x 26 x 45 cm 
Gewicht: 6.5 kg 
Preis im IKEA Fr. 6.95
 



Heftklammerpistole (Tacker):
Material: Eisen verchromt
Grösse: 15 x 10 x 2 cm
Preis im Jumbo Fr. 5.70






Da frage ich mich schon, wie es sein kann, dass die Heftklammerpistole – zusammengesetzt aus etwa 20, hochpräziese hergestellten Einzelteilen oder der TV-Tisch, der aus 36 beschichteten Faserspanplatten zusammengefügt wurde, fast denselben Preis aufweisen, wie ein kostengünstig aufgeschäumtes Stück Industrie-Schaumstoff, das rein maschinell hergestellt wurde.

Da muss man sich auch unweigerlich fragen:
  • wo wurden diese Produkte hergestellt, 
  • unter welchen Arbeitsbedingungen wurden sie produziert
  • und was hat so ein Arbeitnehmer überhaupt verdient.

Leider lassen mich die Angaben auf den Produkten und auf den Webseiten von Jumbo und IKEA im Ungewissen, aber man kann es ja sicher erahnen.










:((

Donnerstag, 7. November 2013

Alle wollen nur unser Bestes





Heute Morgen stand es in der Zeitung. 
Der britische Einzelhandelskonzern Tesco plant, zuerst in ihren 450 Tankstellen-Shops, an den Kassen Kameras zu installieren und damit die Gesichter seiner Kunden zu erfassen.
Die installierte Software erkennt vorerst „nur“ das Geschlecht und das ungefähre Alter. Während des Zahlvorganges soll dann mit Hi-Tech-Flachbildschirmen an der Kasse, massgeschneiderte Werbung eingespielt werden. Mit diesen Bildschirmen lässt sich auch feststellen, wie lange jemand darauf starrt und welche Produkte er wie lange betrachtet. Anschliessend wird das mit der von ihm gekauften Waren verglichen.
Auch werde, wie die Technologiefirma Amscreen, die das System entwickelt hat, mitteilte, die jeweilige Tageszeit und weitere Einflüsse wie Wetter, Jahreszeit usw. einbezogen, um beispielsweise am Vormittag einen Energydrink oder entsprechende Kleidung anzubieten.

Die Bilder sollen vorerst nicht gespeichert werden. Auch kämen momentan weder Augen-Scanner noch andere Identifizierungsmethoden zum Einsatz. Auch werde keine Verknüpfung mit der Kundenkarte und den dort gespeicherten persönlichen Daten oder dem bereits schon seit langem erfasste Kaufverhalten gemacht.
Mehr als fünf Millionen Menschen sollen auf diese Art vorerst pro Woche erfasst werden. Später plant der Konzern, diese gezielte Werbung flächendeckend anzubieten. Ziel sei es, dem Kunden ein möglichst effizientes Einkaufsvergnügen zu sichern.
(Ich glaube, die machen sich insgeheim lustig über uns dummen Kunden) 

Tesco betreibt in Grossbritannien 3'146 Supermärkte und ist dort damit die grösste Handelskette. Sie macht einen Umsatz von weit über 200.000 Pfund – pro Stunde! Jedes achte Pfund, das in Grossbritannien ausgegeben wird, fliesst in die Kassen von Tesco, das sind rund 3 Prozent des britischen Bruttosozialprodukts. Weltweit ist der Konzern die drittgrösste Handelskette und beschäftigt mehr als 530.000 Mitarbeiter.

Amscreen-Chef Simon Sugar (Hersteller der Bildschirme) erklärte, sein Unternehmen wolle «möglichst viele Supermärkte» mit dem System ausrüsten. Die Flachbildschirme sollten ausserdem in Spitälern, Flughäfen, Bahnhöfen, Banken oder auch Fitnessclubs aufgestellt werden. 

Mir macht diese Entwicklung Sorgen!

Alles dreht sich nur noch um unsere Daten, unser Verhalten und unsere Absichten. Die einen wollen verhindern, die anderen wollen veranlassen – und alle wollen nur unser Bestes!
Sind wir Kunden wirklich so manipulierbar?
Sind wir von der Werbung in unseren Kaufentscheidungen bereits abhängig?
Sind wir nicht mehr fähig selber zu entscheiden was wir brauchen, was uns gut tut oder was wir kaufen wollen?

Darüber wird noch zu schreiben sein – später, den nun habe ich keine Zeit. Ich muss noch schnell in den Lidl, denn dort gibts heute eine günstige Tastatur für den PC (habe ich gestern in der TV-Werbung gesehen) und noch schnell zu Lidl, Winterkleidung ist dort in Aktion (dieses grosszügige Angebot lag gestern gedruckt im Briefkasten) und dann noch schnell in die Migros, dort sind Schweinsplätzli und im Coop…..
 Ach, warum hat der Vormittag nicht 6 Stunden, um das Einkaufsvergnügen und das speziell auf mich zugeschnittene Entgegenkommen dieser grosszügigen Anbieter voll auskosten zu können.




:)

Sonntag, 3. November 2013

Aufregung im Hamsterstaat! - Ein modernes Märchen









Aufregung im Hamsterstaat!
Ein modernes Märchen
 


Ein grosses Tier kommt zu Besuch. Denn der Elefant soll eine Rede vor der UNA (United Nations of animals) im „Palast des Tierbundes" halten.

Sicherheit steht über allem. Zwar ist sich die kleine Stadt am See, als Sitz von vielen wichtigen Tierwelt-Organisationen gewohnt, dass täglich grössere Tiere, Repräsentanten grosser und kleiner Tierstaaten, hier anwesend sind. Aber, dass das grösste Tier der Welt, der Präsident der Löwen zu Besuch kommt, das ist auch für die kleinste Weltstadt mit der höchsten Lebensqualität eine Herausforderung.

Die Polizei muss sogar zusätzliche Hilfe aus den umliegenden Staaten anfordern, Schutzkräfte aus dem Adlerstaat, die Police nationale der Hähne und auch einige Karabinieri aus dem Staat des Pfauen.

Aber auch ganze Heerscharen von Sicherheitskräften bevölkern die Stadt. Agenten, Wüstenfüchse, Schlangen, Ratten und natürlich auch Bären aus dem Osten treten sich gegenseitig auf Klauen und Füsse. Am meisten jedoch schnüffeln die frechen Hunde aus dem Staat des Elefanten herum. Die grössten Spione der Tierweltmacht vermuten überall Schlangen und Tiger und befürchten Anschläge der Hyänen und Schakale.



Der grosse Platz vor dem „Palast des Tierbundes" ist seit Tagen abgesperrt, alle Schachtdeckel sind versiegelt und der Luftraum wird von Falken und Habichten ständig überwacht.

Kein normales Tier kann ungehindert in die Nähe des Gebäudes kommen und nur die schwarzen, gepanzerten Limousinen der wichtigsten Tiere haben noch bis kurz vor der Ankunft des Elefanten das Recht, durch verschiedene Kontrollen und Sperren auf den Platz zu fahren.



Doch nun, eine Stunde früher als geplant – bedingt durch die vorzeitliche Abreise des Elefanten zurück in seinen Heimatstaat aus innenpolitischen Gründen finanzieller Art – müssen auch diese Fahrzeuge augenblicklich den Platz vor dem Gebäude verlassen. Noch mehr Hektik kommt auf und alle Chauffeure rennen zu ihren Wagen.

Nur der Fahrer eines einflussreichen Kamels ist nicht bei seinem kostbaren Fahrzeug anzutreffen. Verzweifelt versucht die Hamsterpolizei herauszufinden, wo sich die Wüstenrennmaus aufhält. Denn man kann das mit Alarmanlagen gesicherte Auto dieses heiklen Diplomaten nicht einfach abschleppen lassen. Das würde zu schweren Spannungen mit dem stolzen Volk der Kamele führen.

Die Polizisten vor Ort informieren die Staatspolizei und diese schöpfen sofort alle rechtsstaatlichen Mittel des Hamsterstaates aus um mehr Informationen über den Gesuchten zu erhalten. Aber ausser Name, Adresse, Geburtsdatum und ein paar weiteren persönlichen Angaben, die aber für diese Situation nicht hilfreich sind, finden die Staatsschützer nur noch die mobile Telefonnummer der vermissten Wüstenmaus heraus. Für mehr wäre aus Datenschutzgründen ein richterlicher Beschluss notwendig und dafür reicht die knappe Zeit nicht. Daran kann im Hamsterstaat auch die Sicherheit für einen Elefanten nichts ändern.

Doch die Wüstenmaus ist unglücklicherweise telefonisch nicht zu erreichen und der Bundesrat des Hamsterstaates wird über die möglichen diplomatischen Verwicklung mit einem wichtigen Handelspartner in einer Wüstenregion informiert.



Die grosse Aufregung der Hamster-Agenten bleibt natürlich auch von den frechen Hunden nicht unbemerkt. Aus Gründen der absoluten Sicherheit für den Elefanten bieten sie grosszügig ihre Hilfe an. Einen zu finden, sei doch kein Problem für ihren Geheimdienst, erklären sie grossschnauzig. Das ENES-EI hätte zu fast jedem Menschen dieser Erde und zu jedem Zeitpunkt, alle Informationen über dessen Aufenthaltsort, Handlungen, Vorlieben und bisherigen Geschehnissen, aber auch über den Inhalt und die Adressaten von dessen Kommunikation mit Anderen.

Die lokalen Behörden sind sprachlos – aber für die frechen Hunde scheint das ganz normal zu sein, „denn das Übel dieser Welt rechtfertige solche Massnahmen".

Der Leithund bellt einige Anweisungen in sein abhörsicheres Telefon und nach einigen Minuten teilt er der verdutzen Hamsterpolizei mit, dass man sich problemlos sämtliche Personalien und Daten der Wüstenratte beschafft habe. Mit diesen Angaben hätte man kurzerhand auf die Bewegungen seiner Kreditkarte zugegriffen und dabei festgestellt, dass die Wüstenrennratte vor wenigen Minuten nicht unbedeutend bei einem Juwelier in der Innenstadt eingekauft habe. Man könne übrigens auch davon ausgehen, dass die glückliche Empfängerin nicht seine ahnungslose Ehefrau sein werde, sondern das niedliche, mongolische Wüstenmäuschen, mit dem sich die Rennratte seit kurzem vergnüge.

Leider habe aber die liebestolle Würstenratte das Geschäft bereist verlassen, doch mittels Handyortung und dem umfassenden Wissen über die Vorlieben des Wüstenmäuschens, könne man ganz genau sagen, dass sich der Fahrer des Kamels im Moment in einer sehr edlen Konfiserie befinde und gemäss Überwachungskamera gerade an „Süssigkeiten" nasche.



Nur Sekunden später preschen mehrere Polizeiautos mit Sirene und Blaulicht vom Platz in Richtung Innenstadt…..

©® Copyright by Herr Oter


Bildbearbeitung by Sun Luftblitz




;)