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Samstag, 14. April 2012

Zwei schreckliche Ereignisse geben zu Denken





Zwei schreckliche Ereignisse geben zu Denken

Zwei schreckliche Ereignisse der letzten acht Monate haben mich nachhaltig erschüttert.
Beide Male gab es leider sehr viele Tote zu beklagen und die Opfer waren vor allem Kinder und Jugendliche.

Das erste Ereignis geschah am 22. Juli 2011:
Das Massaker von Utøya
Nach einem schweren Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo – mit acht getöteten und zehn verletzten Menschen – hat der 32-jährige Attentäter aus islamfeindlichen Motiven heraus, zwei Stunden später auch ein Ferienlager mit 560 norwegischen Jugendlichen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei AUF, auf Utøya – einer kleine idyllische Insel rund 30 Kilometer westlich der norwegischen Hauptstadt – in ein Blutbad verwandelt. Dabei schoss der Täter etwa 90 Minuten lang mit einer halbautomatischen Waffe wahllos auf die unbewaffneten Opfer und so kamen bei diesem Massenmord nochmals 69 junge, unschuldige Menschen ums Leben. Dazu wurden viele verletzt und unzählige nachhaltig traumatisiert.
Der Attentäter (den ich hier bewusst nicht namentlich erwähnen möchte) steht zu seiner Tat und kommt in den nächsten Tagen vor Gericht.


Das zweite Ereignis war dann am 13. März 2012:
Das Car-Unglück im Kanton Wallis
Bei diesem tragischen Unfall – des mit 58 Personen besetzten, belgischen Reisecars – kommen 28 Menschen ums Leben.
Bereits nach zwei Kilometern prallt der Bus auf der Heimfahrt von einem Skilager im richtungsgetrennten Walliser Sierre-Tunnel auf der A9 in Sierre/Siders (Schweiz) ungebremst frontal in eine Wand.
Unter den Toten, die im Val d’Anniviers in den Skiferien waren, sind 22 belgische und niederländische Kinder, deren Lehrer und die beiden Busfahrer. 24 weitere Personen wurden verletzt, davon drei besonders schwer. Die getöteten Schüler im Alter von etwa zwölf Jahren stammten vorwiegend aus zwei Schulen in Heverlee (Flämisch-Brabant) und Lommel (Limburg).

Der Unfallhergang wurde umfassend untersucht, aber es konnte keine eindeutige Unfallursache gefunden werden. Alle Kinder waren angegurtet, der Bus in einem einwandfreien Zustand, man fand auch keinen technischen Defekt und die Auswertung des Fahrtenschreibers ergab, dass die vorgeschriebenen Ruhezeiten sowie die Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten wurden. Eine Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern wurde nach Sichtung der Überwachungsbilder des Tunnels ausgeschlossen und die Autopsie des Fahrers ergab bei ihm kein gesundheitliches Problem, das zum Unfall geführt haben konnte. Es bleibt also ungeklärt, warum es zu diesem schrecklichen Unfall kam.


Wo sind die Parallelen in diesen beiden schrecklichen Ereignissen?
Beide Male sind junge Menschen die Opfer, was uns immer besonders bewegt.
Bei beiden Begebenheiten ist die Opferanzahl ausserordentlich hoch und besonders viele Angehörige, Verwandte und Freunde sind bei den Jugendlichen vom grossen Leid betroffen.
Bei beiden Tragödien gibt es viele Helfer, die unmittelbar mit diesem unsäglichen Leid in Berührung kommen und jeder muss irgendwie diese enorme Belastung und diese äusserst schrecklichen Eindrücke auf irgendeine Weise verarbeiten.
Beide Vorkommnisse sind in Ferienlagern geschehen und treffen also unerwartet Menschen, die in diesem Moment gerade besonders fröhlich, ausgelassen und glücklich waren.
Bei beiden Vorfällen ist die Anteilnahme enorm. Man sieht beeindruckende Bilder von endlos aufgereihten weissen Särgen, Menschenmengen die weinen und trauern, riesige Blumenmeere und tausende Kerzen und Beileidsbezeugungen. Personen in höchsten politischen Ämter halten tiefgründige Reden, der Papst gibt auch seinen Segen dazu und Sachverständige und Psychologen helfen uns, das alles zu begreifen und einzuordnen.


Was sind die Unterschiede bei den beiden Geschehnissen?
Beim Busunglück gibt es keinen Schuldigen – nichts, das man für die Tragödie verantwortlich machen könnte. Die ganze Aufmerksamkeit gilt somit ungeteilt den Opfern und deren Angehörigen, den stark geforderten Hilfskräften und allen übrigen Betroffenen. Wochen danach wird berichtet, dass nun die ersten Überlebende wieder in die Schule gehen und drei von ihnen in eine Klasse zurückkehren, in der vor dem Unfall 22 Schüler beisammen sassen. Davon werden 15 Stühle für immer leer bleiben. Das macht mich sehr betroffen!

Beim Attentat hingegen gibt es einen eindeutigen Täter.
Dieser Schuldige nimmt nach meiner Wahrnehmung mehr als die Hälfte der Aufmerksamkeit der Medien ein. Man mutmasst über den Attentäter, man sucht bei ihm nach Beweggründen, man bietet ihm Raum für seine abstrusen Behauptungen und Wahnvorstellungen und man spekuliert über den Terrorismus auf der ganzen Welt, was sich im Nachhinein als unbegründet erweist.
Dabei vergisst man nach recht kurzer Zeit schon fast die einzelnen Opfer. Die tausenden tragischen Schicksale, denen von einem Idioten in wenigen Minuten, zum Teil lebenslängliches Leid und unvergessliche, grässliche Erinnerungen zugefügt wurden. Wer berichtet in den Medien denn heute noch ausführlich von Opfern, die noch immer unter den traumatischen Folgen leiden und die zum Teil nach wie vor jede Nacht in Alpträumen diese schrecklichen Minuten wieder und wieder durchleben müssen? Wer schreibt noch von Angehörigen, die mit einem Mitglied der Familie weniger, für den Rest ihres Lebens auskommen müssen. Wer redet mit Helfern, die die Bilder, die sie gesehen haben, nicht mehr aus dem Kopf bringen.
Ich frage mich, interessiert sich die grosse Öffentlich nach nur acht Monaten wirklich nur noch für den Täter?

Denn für ihn nimmt man sich ausführlicher Zeit. Wöchentlich wird mehrmals über den Mörder berichtet. Man veröffentlicht sein über 1500 Seiten umfassendes, vor der Tat geschriebenes, abstruses Pamphlet. Man befasst sich mit seinen nicht nachvollziehbaren Beweggründe für den Massenmord an norwegischen Jugendlichen. Man untersucht seine Jugend und rapportiert ausführlich jeden Schritte des Attentäters zu einem Gerichtstermin oder einer Anhörung. Es wird über jedes Gutachten oder Gegengutachten berichtet oder man diskutiert seinen fragwürdigen, geistigen Zustand.
Man bietet damit dem Massenmörder die gewünschte Plattform, um seine absurden Ideen zu verbreiten und Anhänger oder Nachahmer möglicherweise zu motivieren. Man ermöglicht ihm seinem Geltungsdrang genüge zu tun und die sich gewünschte Öffentlichkeit zu erreichen.
Genau wie auch seinen mediengeilen vier (!!) Anwälten, die sich neustens, wie die amerikanischen TV-Stars der US-Anwaltserie "Boston Legal", in Gruppenfotos präsentieren und diesen Prozess mit völlig absurden Anträgen (z.B. plädieren sie auf Freispruch, weil der Täter aus Notwehr gehandelt hätte, gegen eine islamische Überwanderung) ins Lächerliche ziehen und sich bekannt machen wollen.

Ich muss die Frage stellen:
Braucht man bei einem unbelehrbaren und unverbesserlichen Massenmörder überhaupt noch über Geisteszustand, Beweggründe, Haftdauer und allfällige Wiedereingliederungsmassnahmen zu debattieren? Braucht dieser geständige und „hieb- und stichfest“ überführte 77-fache Massenmörder überhaupt vier Pflichtverteidiger, die er nicht will und die er auch nie wird bezahlen können?
Aus meiner Sicht genügt einer, der die Einhaltung der Rechte des Angeklagten, in diesem Verfahren überprüft und in Anspruch nimmt.
Wo beleibt bei solchen aberwitzigen Anträgen und befremdlichen Gutachten noch die Würde der Opfer und deren Angehörigen?
Wie muss es für die Beteiligten sein, solche bizarre Gründe für ihren Schmerz verantwortlich zu machen?
Dabei hat der Prozess noch gar nicht begonnen. Was blüht uns dann?


Ich frage mich,
interessiert sich
überhaupt jemand für die Details dieses Prozesses?

Ich nicht!
 
Mich interessieren die Einzelheiten dieses Prozesses überhaupt nicht.
Ich will nur noch zur Kenntnis nehmen,
dass dieser Massenmörder, nie mehr jemandem Schaden zufügen kann und dass er,

für den Rest seines Lebens weggesperrt wird.

® Copyright by Herr Oter



:((

Kommentare :

dekoratz hat gesagt…

a, lieber herr oter -
da hast du alles gesagt, was man deutlich sagen kann. ich habe keinen seiner auftritte, egal welcher art, sehen wollen, kein bild, nichts. ich habe vor allen große hochachtung, die sofort helfen konnten, wie z.B den jungen mann, der mit seinem boot immer wieder jugendliche aus dem wasser geholt hat und dem der öffentliche auftritt später fast peinlich war.

eine geburt dauert oft lange, ist schmerzensreich und bis auf schlimme ausnahmen von dem moment des "du-bist-da" gekrönt. da sind tausende schöne momente und fiebrige nächte, die erste geheimnisse, dummheiten, vertrautheiten, die erste völlig eigenständige entscheidung ... und so viel mehr ... und dann kommt so einer ...

in gedanken ist man bei den eltern, die weiterleben müssen ... ich war auch den familien des busunglücks sehr verbunden.


vielen dank für den beitrag.
liebe grüsse-
barbara

Poetikon hat gesagt…

Dieser Mensch - (Mensch?) bringt durch die Auftritte in den Medien so recht seine Taten in den Vordergrund, bekommt damit eine Plattform, die ihm nicht zusteht!
Wenn bloss nicht überall diese mediengeilen Zuschauer und Leser wären...
Es gab und wird immer wieder solch spektakuläre Fälle geben, wo Menschen ums Leben kommen; wo Leben ist, kann auch der Tod nicht weit sein. Muss man das auch noch propagieren? Um gemütlich im Sessel zu sitzen und danach in bester "Krimi-Manier" darüber zu diskutieren? Nein.
Ich brauche solche Berichte nicht.
Aber deshalb denke ich doch an die Opfer, und vor allem auch an die Mütter, Väter, Geschwister, Freunde, die dieses Leid aus zweiter Hand dann noch einmal erfahren müssen.
---
Grüße von
Horst~

dekoratz hat gesagt…

lieber herr oter -
du wunderst dich vielleicht über meinen gelöschten kommentar, aber da hatte ich geschrieben:
... und dann kommt da so ein tier ...

das konnte ich so nicht stehen lassen, denn damit wäre unserer katze und nachbars hund mehr als unrecht geschehen!

liebe grüsse -
barbara

Herr Oter hat gesagt…

@dekoratz
Nein Barbara, ich habe mich nicht gewundert, denn ich merkte, dass du vermutlich etwas "korrigieren" wolltest.
Doch der Grund deiner Korrektur hat mich gefreut, denn du hast absolut Recht damit, denn man sollte Tiere nicht mit dieser "Kreatur" vergleichen, denn kein Tier würde aus purer Lust, innert 90 Min. 77 mal töten.
Danke für deinen Kommentar.


@Poetikon
Lieber Horst, danke, dass du dich gemeldet hast, denn es ist genau so wie du schreibst. Aber die Medien werden ab heute voll sein, man wird sich dem kaum entziehen können, in den News, den Zeitungen, dem TV oder Radio und bereits aktuell im Twitter:
Prozessauftakt gegen Attentäter @Breivik in Oslo: Entscheid über Schuldfähigkeit – grosses Medieninteresse.
#Breivik absolut Emotionslos.

Du siehst, man kann sich bereits wieder ärgern....

Gruss
Resunad

Süsses und Saures mit ein bisschen Gewürz hat gesagt…

Es ist mir nicht begreifflich wie so Ein Mennsch so handeln kann.. es ist mir nicht begreiflich wie man überhaupt auf so eine absurde/abartige/kranke Idee kommt auf so eine art die welt verändern zu wollen... Ich kann nicht begreifen wie man einem solchen Mennschen eine Plattform bietet wie jetzt gerade die öffentlichkeit, um seine Ideen idealisierungen noch mehr gewicht zu verleihen.. Denn jetzt hat er das erreicht was er wollte AUFMERKSAHMKEIT und das auf der ganzen Welt... Was er verdient möchte ich hier gar nicht schreiben.. denn danm wäre ich nicht besser als er...
Diesen Mennschen am besten wegsperren und den schlüssel wegwerfen.. und nie wieder seine kranken ideen fördern oder diskuthieren... Vergessen kann man seine Tat nie.. aber man sollte ihm keine weitere Plattform bieten um evtl auch noch Anhänger zu finden die Ihn unterstützen.....

Zum Unglück im Wallis.. wir sind in der nähe und haben es wirklich fast hautnah mitbekommen.. sei es durch Freunde/Retter die an diesem besagten Abend mitgeholfen haben oder durch unseren Besuch auf jeweihls einer Tunnelseite mit BLumen und zwei Plüschasen.... Es ist für alle hier die in der nähe wohnen unbegreiflich wie es passieren konnte.. denn wir kennen diesen abschnitt des tunnels sehr gut.. und es ist schlichtweg grausahm seine Kinder auf solch eine weise zu verlieren.. es vergeht kein Tag an dem wir nicht an Sie denken.. Unsere Freunde die an dem Abend geholfen haben sind bis heute stark betroffen und finden langsahm wieder zurück in den alltag als Rettungshelfer.. aber auch heute noch hören sie die schreihe oder eben auch die besagte stille im Tunnel und es ist schwer weiterzumachen..
Wir geben unterstützung wo wir können, aber auch für uns ist es sehr schwer zu hören was sie erlebt haben...
Wir hier alle die hier leben sind in steten Gedanken bei den Familien und IHren angehörigen, die nun den weg ins Leben wieder finden müssen.. Ein sehr langer weg..

Tiefbetroffen und immer noch stellt sich die frage wie konnte dies geschehen.. ich glaube eine frage die sich nie beantworten lässt..

Es gibt sachen oder geschehnisse die man nicht erklären kann.. alles hat seinen grund sagt man... Nur frage ich mich WAS HATTE GENAU DIESE ZWEI ERREIGNISSE FÜR EINEN GRUND`??.....

Leider werden wir dies nie erfahren...

Ihr Bienschen

Anonym hat gesagt…

Zum Busunglück gibt es keine passenden Worte,das ist einfach nur traurig!
Beim Attentäter frage ich mich was in dessen Eltern vorgeht und wie die das ertragen.
*Die Mutter, welche ihren Sohn unter eben solchen Schmerzen geboren hat wie die Mütter der getöteten Jugendlichen.
*Die Mutter, welche sicher stolz auf ihren kleinen Sohn war als er seine ersten Schritte tat.
*Die Mutter, welche ihren Jungen sicher über alles liebt.
Was fühlt diese Mutter jetzt...???
Bei allem "Hass" und aller Tragik,aber das finde ich genauso schrecklich!
Oder gibt es Mütter die ihre Söhne nicht lieben?

T.O.&O.

Herr Oter hat gesagt…

Liebes Bienschen
Danke für Deinen Beitrag. Es ist interessant auch von jemandem, der ganz in der Nähe des Busunglücks wohnt zu erfahren, wie es ihn und die übrigen im Wallis betrifft und auch heute noch stark beschäftigt. Ich denke auch, dass die Helfer noch lange darunter leiden müssen und wir sollten wirklich sehr froh sein, dass es Personen gibt, die ihre Freizeit opfern, um anderen in den schrecklichsten Situationen zu helfen. Man vergisst das auch oft bei der Feuerwehr und man sollte diesen hilfsbereiten Menschen viel mehr auch öffentlich danken.

Herr Oter hat gesagt…

Liebe T.O.&O.
Du hast recht, diesen Aspekt beachtet man auch viel zu wenig. Hinter dem Täter steht eine Familie, Verwandte und Angehörige, die damit weiterleben müssen. Die sich vermutlich dauernd rechtfertigen und erklären müssen, über etwas, das sie unmittelbar betrifft, aber sie keine Schuld tragen und vermutlich trotzdem von einigen deswegen verachtet werden.

Danke für Deinen Kommentar
Gruss
Resunad (einer von drei)

dekoratz hat gesagt…

lieber herr oter -
ich warte sehr auf einen neuen post und ein paar fröhliche gedanken von dir. heute hat sich nämlich durch zufall in einer sendung ergeben, dass sich die frage stellt, ob dieser mensch nichzurechnungsfähig sei oder eine gefahr an sich darstellt ... da kann man doch nur noch schreiend davon laufen oder den fernseher verkaufen ...
dabei wollte ich eigentlich ein deckchen häkeln - ein deckchen für den flachbildschirm ... laß‘ uns lachen ... er ist es nicht wert, dass uns dieses vergeht ...
und wir werden trotzdem niemanden vergessen ...
liebe grüsse zur guten nacht ...
barbara

dekoratz hat gesagt…

merkst du was? - so richtig in fahrt erfinde ich auf dem kopf stehende ausrufezeichen und worte wie "nichzurechnungsfähig"

bis morsche ...

Herr Oter hat gesagt…

Liebe Barbara
Du hast recht, ich habe schon über eine Woche meinen Blog vernachlässigt.
Gut, dass Du mich erinnerst und danke, dass es Dir überhaupt auffällt!
Das motiviert mich natürlich sehr.

Ich werde mich bessern versprochen ;))

Übrigens Deine neuen Wortkreationen finde ich absolut in Ordnung, denn in meinem Blog und den Kommentaren hat Herr Duden nur bedingt etwas zu kritisieren.

Ich freue mich auf weitere neue und alte Worte von dir.

Noch einen ganz gemütlichen Sonntagabend wünscht dir herzlichst
Resunad